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Ziret und Vyrnion 01
 

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Ganz spontan öffnete sich ein Riß in einer dunklen Gasse, und daraus wurde ein Wesen geschleudert. Der Riß schloß sich sofort, als Vyrnion hindurch war ... und trotzdem waren einige Trümmer einer Explosion mit hindurch in die Gasse geflogen, wo der Körper des Wesen nach einigen Metern zum Liegen kam. Es war zum Glück eine dunkle Gasse - denn wäre er auf einem öffentlichen Platz mit vielen Menschen gelandet, wäre wohl eine große Panik ausgebrochen. Aber als der Riß geschlossen war, konnte man nichts mehr in der Dunkelheit sehen ... und Vyrnion gelang nur noch eine kurze, instinktive Bewegung, und seine verletzten Schwingen legten sich über ihn, um seinen Körper abzudecken.

Der Krach des Mülls, der durch den sehr großen, geflügelten Mann entstanden war, ließ zwei Männer aufhorchen, die zwei Gassen weiter auf geeignete Beute warteten ... und als sie dem Lärm nachgingen, entdeckten sie einen Mann, der blutete und unter einem schwarzen Mantel zu liegen schien. Eigentlich würden sie sich um Verletzte nicht scheren - doch an dem Arm blitzte etwas Goldenes auf und einer der beiden grinste breit, als er den Anderen anstubste. "Guck mal - da brauchen wir uns gar nicht mehr bemühen, wir kriegen die heutige Beute gleich geliefert !"

„Sieht so aus ... perfekt, wenn es echtes Gold ist.“ antwortete der Zweite gleich grinsend und neigte sich herab, um den Mantel wegzuziehen. Aber als er ihn berührte, fühlte es sich nicht wie Stoff oder normales Leder an und er konnte auch nichts mehr sagen - denn Vyrnion roch das Blut in den Menschen, packte mit reinem Überlebensinstinkt zu und packte den, der seine Schwingen angefaßt hatte, an der Kehle. Der Andere konnte auch nicht wegkommen - Vyrnion hatte nämlich einen Schweif, und der schlang sich wie eine Fessel um das Bein des Stehenden. Den Mann, den er schon gepackt hatte, zog er ganz herab und brach ihm dabei schon das Genick - aber er zog ihn näher und zerriß mit den Fängen dessen Kehle, und sog das Blut rasend schnell heraus. Das erste Opfer ließ er einfach los und packte den brüllenden Anderen nun auch noch mit der Hand, und zog ihn ebenso zum Bluttrinken zu sich herab. Sein Körper brauchte es, um seine Heilung in Gang zu bringen. Zumindest ein wenig, denn das Blut dieser Menschen hatte nur wenig Energie.

Als der Riß sich in seiner Welt öffnete und ein Kristall auf seinem Schreibtisch grün aufleuchtete, runzelte der junge Oberengel Ziret seine Stirn - denn dies geschah nur, wenn es ein unangekündigter Riß war, und damit auch ein unangekündigter Besuch. Da er das keinem seiner Engel überlassen wollte sendete er seinem Sekretär, daß er den Anderen Bescheid geben sollte, öffnete einen Riß zu der angegebenen Hintergasse und fluchte laut auf. Er sah natürlich sofort die beiden Leichen - und den Geflügelten, der gerade eben geschwächt von einem der toten Räuber abließ. ##Was suchst du hier ? Und ... bei der ewigen Macht, du bist verletzt !##

Vyrnion hatte erst den Drang sich zu wehren ... aber seine Gedanken sammelten sich sehr schnell und er hatte in den Gedanken des Engels auch genug fühlen können. Erst war es Mißtrauen, aber dann Sorge. ##Flucht nach Überfall ... Vater wollte, daß ich lebe. Ich bin der Letzte, und hatte nur eine Sekunde, um einen Riß zu öffnen. Ich konnte nicht steuern.## Die Antworten waren schwer, denn er hatte Mühe, bei Bewußtsein zu bleiben. ##Und tut mir leid, mein Überleben konnte sich nicht bremsen.## Er meinte das Töten der beiden Gauner und es war wirklich sein Drang zu überleben gewesen, der ihn dazu trieb.

Etwas, das Ziret verstehen konnte und er entschied sich, half dem schwer Verletzten hoch und stützte ihn, ehe er einen Riß um sie gleiten ließ, der sie in sein Schlafzimmer brachte. ##Du brauchst dich nicht entschuldigen - du bist ein Bluttrinker, nicht wahr ? Setz dich erst einmal, und trink ein wenig von mir ... danach gebe ich dir Sinfi, das hilft sehr gut.## Mit den Worten ging der junge Oberengel mit dem Geflügelten zu einem der bequemen Hocker und half ihm, sich zu setzen, ehe er sich neben ihn auf den anderen Hocker setzte und die hüftlangen, blonden Haare von seinem Hals strich.

Daß ihm so geholfen wurde, überraschte Vyrnion. Er wußte gleich, daß dieser Engel ebenso ein Kämpfer war - denn er war stark genug, ihm aufzuhelfen und ihn zu stützen. Das Sitzen war schwerer als er dachte, aber er hatte genug Willen, um nicht zusammenzusacken. ##Ja ... Bluttrinker, und Erschaffer auch..## Er wollte noch etwas in Gedanken sagen ... aber er sah die pochendes Ader am Hals des Kampfengels, und sein Körper drängte danach, damit er Kraft zum Heilen bekam. Also neigte Vyrnion sich vor und biß gekonnt zu. Das Blut ließ ihn aufbeben - denn es war natürlich frisch, und strotzte nur so vor Energie. Aber er beherrschte sich dann doch und löste seine Lippen ... denn sein Körper fing an zu heilen, und daher hörte man auch das Knacken, als sich die Brüche - die er hier und da hatte - wieder einrichteten.

##Das hört sich ziemlich schlimm an - und danke, daß du von selbst aufgehört hast.## Natürlich wußte Ziret, daß dieser Mann weiter von ihm hätte trinken können ... aber er wußte auch, daß er selbst stark genug war, um sich dagegen wehren zu können. Aber so war es einfacher und Ziret holte aus einem kleinen Riß ein Fäßchen Sinfi, gab dem Heilenden das kleine Fäßchen und nickte darauf. ##Trink dich satt - und wenn du noch mehr brauchst, sag es. Kannst du mir erzählen, wer dich überfallen hat ? Vorhin warst du zu sehr verletzt, deine Gedanken waren undeutlich. Achja, ich bin Ziret - der Oberengel und Herrscher dieses Sonnensystems.##

##Ich würde keinen töten, der mir hilft ... und das mit den zwei Menschen tut mir leid, falls es alles durcheinander bringt. Bei ihnen war es noch Instinkt - sie waren mir zu nahe gekommen, und ich spürte etwas Böses in ihnen. Und ich heiße Vyrnion.## Er antwortete erst auf das eine und trank etwas von dem Sinfi. Erst dann sah man, daß seine Heilung für das Schlimmste abgeschlossen war, und sein Körper veränderte sich. Seine Schwingen formte er weg, und die Panzerung an Armen und Beinen und seinem Schweif formte sich in weiche Schuppen zurück. Ansonsten behielt er den Schweif, und auch die eher drachenartigen Beine. ##Ich weiß nur, daß es ein Selbstmordkiller war - er hat das ganze Sonnensystem vernichtet. Wer ihn schickte, das wissen wir ... ich ... nicht.##

##Bei der ewigen Macht ... das ist grausam. Ich dachte, diese Killer wären alle tot - mein Vater erzählte mir einmal von ihnen, sie wurden vom Pantheon geächtet. Brauchst du noch ein Fäßchen ? Dir geht es noch immer nicht sehr gut, ich kann das spüren. Und mache dir wegen den beiden Räubern keine Gedanken, ich habe die Schicksale der Menschen nicht mehr vorausgeplant - es war zuviel Streß, und ich lasse sie seit einigen Jahrzehnten frei leben, und sich selbst entwickeln.## Ziret wollte seinem Gast etwas Ruhe geben und lächelte, als er ihn betrachtete. Die cremefarbene Haut mit den hellroten Schattenflächen sah überraschend gut an dem Schwarzhaarigen aus, und ein wenig vermißte Ziret die großen Hautschwingen, die sich so warm angefühlt hatten. ##Bist du ein Vampirgott ? Ich glaube, ich habe deinen Vater einmal bei einem Pantheontreffen gesehen, er sah dir ähnlich ... nur daß in seinen Haaren mehr weiß zu sehen war.##

##Das war mein Bruder - mein Vater wollte ihn mehr Verantwortung übergeben, daher schickte er ihn öfter hin. Und ja, ich bin ein sogenannter Vampirgott ... und nun wohl der Letzte.## Vyrnion unterdrückte es noch, an den Kampf zu denken, und er schüttelte den Kopf wegen weiterem Blut. ##Ich warte noch mit weiterem Trinken ... ich würde mich nur gern erstmal hinlegen.## So würde sich sein Körper noch besser erholen, und obwohl er das Blut zum Heilen getrunken hatte, war er unglaublich erschöpft.

##Natürlich - aber vielleicht solltest du dich zuvor noch kurz duschen ? Du bist überall voller Blut, dem Dreck der Gasse und anderen Dingen. Warte, ich helfe dir, ja ?## Denn es wäre bestimmt besser, wenn der junge Vampirgott sich kurz säubern würde, und so stand Ziret auf, und half dem etwas Größeren vorsichtig auf die Füße. ##Ist gleich hier nebenan ...##

Vyr hatte nicht daran gedacht und nickte, als ihm aufgeholfen wurde. ##Ja, das wäre gut ... normal würde ich schlafen, aber die Gasse hatte doch einen schrecklichen Geruch.## Das Blut war das wenigste Problem, aber er war in der Gasse ja wirklich zwischen einem Haufen stinkenden Mülls gelandet. Er nahm seine Kraft soweit zusammen und richtete sich nach dem Aufhelfen auch auf, und stand dann stabiler auf seinen Klauenfüßen. Unbewußt hatte sich sein Schweif aber etwas um Ziret geschlungen, denn er bekam zwar Halt, aber stützte sich damit unbewußt auch so noch etwas bei ihm ab.

So ging es auch besser und Ziret half ihm in das nebenan gelegene Bad, in dem die Dusche mit dem sanft fallenden Wasserfall lag. ##Willst du das Wasser eher kühl, warm oder heiß ? Seife ist an der Seite. Warte, ich helfe dir ...## Es war besser, wenn er Vyrnion auch beim Duschen half und so löste Ziret seinen Gürtel und damit den Kampfrock, den er trug, legte ihn an die Seite und blieb als Stütze stehen, damit auch Vyrnion sich ausziehen konnte.

Das tat er auch, und er hatte da auch keine Scheu und löste die Kette, die sein einfaches Lendentuch hielt. Um sich einen Kampfrock anziehen war keine Zeit gewesen ... und seine Art hatte eh den Vorteil der Schuppen, die sich veränderten und zu einer Rüstung werden konnten, auch wenn sie beim Kämpfen stabile Kampfröcke trugen. ##Ich kann nur wieder Danke sagen. Und meine Beine werden langsam wieder stabiler.## Innerlich war aber noch der Kampf in seinen Gedanken - denn er faßte noch immer nicht ganz, was und wie schnell es passiert war. Kämpfen steckte Vyrnion gut weg und auch, wenn er verletzt war ... aber hier ging es über den Überfall hinaus, etwas, das ihn belastete.

Und das spürte Ziret, so daß er ihn trotzdem weiterhin hielt und als ihm der Verletzte gesagt hatte, wie heiß er das Wasser haben wollte, veränderte der Kampfengel die Temperatur des Wasserfalls und stieg mit ihm in die sehr geräumige Dusche. Da er seine eigenen Schwingen zurückgeformt hatte, war mehr als nur genug Platz - und er hielt sich eher an der Seite und stützte Vyrnion nur, so daß dieser sich selbst waschen konnte. Sie waren sich zu fremd, als daß Ziret bei dieser persönlichen Sache helfen könnte ... und Vyr war inzwischen auch genug verheilt, so daß er nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen war. ##Das nächste Pantheontreffen ist bald - und wenn du es mir erlaubst, werde ich deinen Fall dort anbringen, damit herausgefunden werden kann, was passierte.##

##Aber ich komme mit - ich denke, keiner rechnet damit, daß ich noch lebe. Ich will unbedingt wissen, wer es war - und ich denke, das Pantheon auch, wenn sie erfahren, daß es ein Attentat  war. Ich vermute, es wird eh zu bereden sein, daß eine Rasse an hohen Wesen komplett verschwunden ist.## Das hoffte Vyrnion, obwohl das Sonnensystem recht klein war, und so etwas kam oft nicht ins Gespräch. ##Ich werde auf jeden Fall für alles, was du tust etwas tun, um meine Dankbarkeit zu zeigen.## Als das Duschen vorbei war, stieg er mit Ziret aus der Dusche heraus, und war über das Abstützen wirklich dankbar. ##Ich weiß noch gar nicht, wie ich dir danken kann.##

Das ließ den jungen Oberengel leise schmunzeln und er nahm eines der weichen, großen Handtücher von der Seite, um es Vyrnion zu geben. ##Mach dir darüber keine Gedanken - ich helfe dir, auch wenn ich keine Gegenleistung bekomme, ich bin nun einmal so. Und auch wenn dein Sonnensystem nicht groß war, es ist wichtig - und es wird im Pantheon auch besprochen. Wenn du fertig bist, kannst du dich erst einmal hinlegen ... wir reden weiter, wenn du dich etwas erholt hast, okay ? ##

##Du bist wirklich anders als viele Andere ... und ausruhen ... ja, ich muß es zum ersten Mal so intensiv.## Es war das erste Mal, daß er so geschafft war - denn all das, was passiert war, hatte mehr Einfluß auf ihn gehabt, als jeder Kampf. Es war einfach ein so unerwarteter Verlust von allem.

##Dann leg dich hin - hier bist du sicher, hier kann dir nichts passieren.## Ziret ließ seine Sicherheit durch die Gedanken klingen und half seinem unerwarteten Gast zum Bett, nachdem dieser sich abgetrocknet hatte, nickte, als dieser sich hinlegte und deckte ihn mit einer der weichen Felldecken zu. ##Schlaf, ja ? Ich bin noch ein wenig arbeiten, aber ich komme später wieder.## Dann lächelte Ziret noch einmal kurz und verließ sein Schlafzimmer, schloß die Türe hinter sich und atmete tief durch, als sie sich schloß. Einerseits beschäftigte ihn die Tatsache, daß ein ganzes Sonnensystem vernichtet wurde - doch andererseits auch die einfache Tatsache, daß nun in seinem Bett ein junger Vampirgott lag, den er zuvor beim Duschen hautnah fühlen konnte. Und gerade das war etwas, das den jungen Oberengel sehr beschäftigte, da er schon seit längerer Zeit keinen Sex mehr gehabt hatte und sich sehr beherrschen mußte, nicht bei Vyrnion zu reagieren. Doch dann seufzte Ziret leise und betrat sein Büro, setzte sich wieder an seinen Schreibtisch und machte sich an die Arbeit. Erst einige Stunden später rieb sich der junge Oberengel seine Augen und seufzte leise, stand auf und holte sich etwas Sinfi aus einem Riß, trank es und ging zu seinem Bad, um sich dort zu erleichtern und kurz zu duschen. Erst dann betrat er sein Schlafzimmer und lächelte, als er Vyrnion sah, und setzte sich auf die andere Seite des Bettes. Er würde am Rand bleiben, um ihn nicht zu bedrängen ... doch andererseits war es schön, nicht wieder alleine in seinem Bett zu liegen, auch wenn es nur zum Schlafen war.

Vyrnion hatte sich auf der einen Bettseite beim Schlafen gehalten, und er lag noch ruhig da. Aber er fühlte natürlich, daß Ziret da war, trotzdem blieb er weiterhin schlafend liegen. Hier war keine Gefahr und er war daher nicht beunruhigt ... und so konnte er auch weiterhin ruhen, um sich ganz zu erholen.

 

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