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”Das liebe Geld ...” 02
 

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Einige Wochen später stöhnte Perry leise, als er endlich die Haustüre hinter sich schloß und die schweren Schuhe ausziehen konnte - er hatte die letzten Tage immer Überstunden geschoben und so fiel auch diesmal das Treffen in der Kneipe mit seinen Kumpels aus. Leise seufzend, strich sich der Schwarzhaarige kurz über das Gesicht und nickte dann, als er sich auszog und die schmutzige Kleidung in den Wäschekorb warf.

Wie immer in den letzten Tagen, schob Perry sich nur ein Gericht in die Mikrowelle und schaltete dann den Fernseher an, um wenigstens noch kurz die Nachrichten zu sehen, ehe er ins Bett ging. Als dabei allerdings die Lottozahlen angekündigt wurden, horchte er auf und seufzte leise, legte das Essen zur Seite und nahm seinen Geldbeutel, zog den Zettel heraus und schalt sich einen Narren, daß er so erwartungsvoll auf die Zahlen wartete.

Als sie jedoch angesagt wurden, erstarrte er und vergaß sogar zu atmen – denn eine jede Zahl, die gezogen worden war, stand auch auf seinem Zettel und als die letzte Zahl genannt worden war, keuchte Perry leise und schluckte schließlich schwer.

"Oh Gott – verdammt, oh Gott! Ich habe den Jackpot!!" Dann juchzte er laut auf und ließ sich hinterfallen, bevor er erstarrte und zu denken begann.

"Shit – je nachdem, wieviel noch gewonnen haben, bekomme ich einen Teil von dem Jackpot, der war jetzt am Schluß auf fast dreihundert Millionen! Was mache ich jetzt ... ich kann doch nicht alles behalten – aber ich kanns den Jungs auch nicht einfach so geben, das sieht aus, als ob ich Almosen geben würde. Hm ... und wenn ich ihnen überhaupt nichts erzähle? Ich sage ihnen einfach, ich habe Arbeit in einer anderen Stadt gefunden und lasse ihnen ein wenig Geld durch die Bank auszahlen, ja, das ist es.

Und Rudi kann mit Annie hier in das Haus ziehen, dann müssen sie keine Miete mehr zahlen und es kümmert sich Jemand um das Haus, während ich weg bin. Und ich schaffe mir mit dem Geld in einer anderen Stadt eine neue Existenz, ja, das ist es."

Die Idee hatte wirklich etwas – und das ließ Perry leise auflachen, denn zum Glück hatte er Morgen frei und konnte seinen Gewinn abholen.

~~~***~~~

Am Abend des nächsten Tages kamen die drei Freunde von Perry zu dessen Haus. Auf dem Bau hatten sie abgemacht, daß sie sich trafen und Rudi hatte diesmal seine kleine Schwester mitgenommen, denn durch seinen freien Tag wollte er auch Zeit mit ihr verbringen. Kaum hatten sie das Haus betreten, rief Annie ein lautes "Wir sind daaaaaahaaaaaaaa ... hallo, Onkel Perry!"

"Annie! Schön, dich zu sehen, du kleiner Wirbelwind!"

Laut auflachend, fing der Schwarzhaarige das kleine, blonde Mädchen auf und hob es hoch, ehe er sie wieder absetzte und kurz durchkitzelte. Er mochte die Kleine sehr, so wie sie alle – eigentlich hatten sie alle sie ein wenig aufgezogen, so daß sie auch alle als 'Ehrenonkel' galten.

"Hallo Jungs – na, wie gehts? Ihr seht fertig aus, war wieder viel los, oder?"

"Ach, es ging so." erklärte Ritchi, der seinen kleinen Feuerkopf im Arm hatte. Annie machte sich auf den Weg in die Küche, denn sie wusste, daß Perry immer irgendwo etwas zum Naschen hatte. Sie wurde auch schnell fündig und hielt es ganz fest, damit Andie es nicht womöglich klaute.

Und das war auch gut so, denn der junge Ire hatte eine extreme Vorliebe für Süßigkeiten jeder Art. Doch er nahm ihr niemals etwas weg, auch wenn er sie oft damit ärgerte, daß er so tat, als ob er etwas haben wollte. Er begnügte sich jedoch diesmal damit, daß er das Bier von Perry entgegennahm und schon einmal einen tiefen Schluck nahm, ehe er breit grinsend zu ihm blickte.

"Na? Hast du Gestern was gehabt?" Der Schwarzhaarige kratzte sich verlegen im Nacken und nickte, ehe er den Anderen ihr Bier gab und sich zu ihnen setzte. "Jep – nicht so viel, wie erhofft, aber schon ein Bißchen. Genug, daß ich euch Bande einladen kann ... was wollt ihr? Chinesisch oder Pizza?"

"Chinesisch!" platzte Annie heraus, denn wenn es nach Andie ging, dann würde es Pizza geben. Rudi schloss sich seiner Schwester an, denn Chinesisch war mindestens ebenso gut wie Pizza, obwohl es doch eher besser war.

"Ich bin auch für Chinesisch, Pizza hatten wir erst letztens."

Ritchi war auch der Meinung und küsste seinen Schatz, der scheinbar schon überlegt hatte, welche Pizza er essen wollte. Andie seufzte theatralisch auf und jammerte leise ... doch dann grinste er wieder und lehnte sich an seinen Schatz.

"Aber egal – Chinesisch ist auch super, vor allem von Meister Wu. Außerdem hat er schön große Portionen, das ist wichtigwichtigwichtig, ich habe Hunger!" Das brachte Perry wiederum zum Lachen und er schüttelte den Kopf, stand auf und holte den Prospekt, damit sie sich alle was heraussuchen konnten.

Der Prospekt ging auch gleich in der Runde herum. Zuerst durfte die kleine Dame aussuchen, dann kamen die Männer dran und schließlich hatten sie eine ordentlich große Bestellung zusammengebastelt. Der Zettel wurde letztlich an den Gastgeber gereicht und Perry durfte die Bestellung aufgeben.

"Das nächste Mal gewinne ich was, ich hab noch nie gewonnen. Boah, den Jackpot, der Gestern geknackt wurde, den hätte ich gern." seufzte Rudi, denn dann wäre er wirklich alle Sorgen für immer los.

"Tja – der wurde so oder so auf zwei Gewinner aufgeteilt, also knapp hunderfünfzig Millionen für jeden der Gewinner. Zum Glück sind sie anonym ... überleg mal, wenn bekannt wird, wer das Geld hat? Der ist doch seines Lebens nicht mehr sicher, der braucht dann Leibwächter und eine Burg und muß dauernd Angst um seine Familie haben. Übel ..."

Gerade darum, daß die Gewinner nicht bekanntgegeben wurden, war Perry mehr als nur dankbar – denn es gab genug Gauner, die seine Freunde oder Annie als Geisel nehmen würden, um ihm das Geld rauszupressen.

Dann gab der Schwarzhaarige jedoch die Bestellung auf und hoffte, daß das Gesprächsthema gewechselt hatte, bis er wieder zurückkam. Das hatten sie noch nicht, denn wenn es um Geld und Träume ging, dann konnten die jungen Männer schwärmen bis zum Umfallen und sie erklärten einander, was sie sich kaufen würden.

"Ich will ein Pony haben!" warf Annie ein und grinste breit. Sie war ganz Mädchen und ihr Bruder bemühte sich, ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

"Ja sicher, Annie – und wo willst du es denn haben? Ein Pony braucht eine riesige Wiese, besser zwei ... und einen Stall. Und hier ist nichts davon, ihr müßtet weit weg aufs Land ziehen und dann wärt ihr da ganz allein auf einem Hof. Ein Schaukelpferd ist besser, Hm?"

Andie holte die Kleine behutsam wieder auf den Boden der Tatsachen zurück – denn auch wenn sie hier ihre Wünsche äußerten, sie wußten als Erwachsene, was ging und was nicht ... doch ein Kind wie Annie nicht und sie würde Rudi sicherlich nur noch damit nerven und nicht verstehen, daß dieser nicht das Geld dafür hatte. Doch das wusste sie ja.

"Nur, wenn er so im Lotto gewinnt ... oder ich, wenn ich groß bin." warf sie ganz erwachsen ein. Sie wusste ja selber, daß sie kaum Geld hatten und freute sich über die kleinen Kleinigkeiten, die sie hin und wieder bekam.

"Wenn ich groß bin, werde ich Anwältin und dann verdiene ich gaaaaaaaanz viel und kann mir dann auch ein Pony kaufen." Die Worte brachten ihren blonden Bruder zum Lächeln, denn er steckte immer mal wieder etwas weg, damit Annie mal studieren konnte.

In dem Moment kam auch Perry wieder und lächelte ein wenig schief, ehe er sich hinsetzte und sich an dem Gespräch beteiligte.

"Nun – ein wenig kann ich euch schon dazugeben, Rudi. Ich habe nämlich vor zwei Tagen endlich Antwort bekommen, ich habe einen Job in einer anderen Stadt bekommen und werde wegziehen. Aber ich will das Haus hier nicht leerstehen lassen ... Rudi, möchtest du nicht mit Annie einziehen? Ihr braucht keine Miete zu zahlen, nur die Nebenkosten – und mir halt das Haus in Schuß halten. Was meint ihr?"

Der Schwarzhaarige wagte sich nun einfach mit seinen Neuigkeiten vor und hoffte, daß seine Freunde es so gut annahmen, wie er hoffte.

Rudi kuckte erstmal wie von einem Blitz getroffen und sein Mund ging ein paar Mal auf und zu, ohne daß ein Wort herauskam. Zuerst kam die Tatsache, daß Perry wegging und dann gleich als oben drauf, daß er und Annie in dieses schöne Haus ziehen durften.

"Das ist ein Witz, oder?" Er hatte nun doch endlich Worte gefunden und scheinbar war auch seine kleine Schwester sprachlos. "Natürlich zieht er ein." warf Ritchi gleich ein. Nicht, daß der Kleine noch auf dumme Ideen kam und Nein sagte.

"Na, dann ist ja gut ... hey, auch mal Atem holen, Hm?" Perry lächelte verlegen und kratzte sich im Nacken, ehe er den Blonden einmal leicht an der Schulter schubste.

"Hey, noch da? Und sorry, daß ich euch noch nichts davon gesagt habt ... ich dachte, ich warte erst eine Antwort ab, ehe ich was sage, sonst wäre die Enttäuschung groß gewesen, wenn ich abgewiesen worden wäre. Auch wenn ichs schade finde, wegzumüssen – aber der Job bringt bessere Kohle."

Die Anderen verstanden das allerdings und klopften Perry zur Gratulation auf die Schulter. "Deswegen lädst du uns ein, Hm?" Sie hatten den Braten gerochen und man sah ihnen an, daß sie sich freuten.

Rudi kämpfte allerdings noch mit sich und atmete tief durch. "Du willst uns wirklich das Haus verwalten lassen?" Besser er fragte nochmal nach, das Ganze klang, als wenn er gerade träumte.

Kurz die Augen verdrehend, neigte sich Perry zu dem Blonden und gab ihm eine Kopfnuß, die ziemlich laut und auch ein wenig hohl klang und Andie zum Lachen brachte. "Rede nicht so einen Mist, Rudi ... ich möchte, daß ihr hier wohnt und euch ein wenig um das Haus kümmert, ihr seid doch keine Verwalter, sondern meine Freunde, oder? Idiot."

Die Stimme Perrys war allerdings ebenso sanft wie seine Augen und zeigte, daß er ihn mochte und seine Rüge nur gut gemeint war. Das wusste Rudi ja und so nickte er lächelnd und grinste letztlich zu Annie.

"Wir haben ein neues Zuhause und du bekommst dann ein großes Zimmer ganz für dich." Der kleine Wirbelwind jauchzte sofort auf und polterte davon. "Ich such mir gleich eins aus!"

Und das brachte Perry dazu, laut aufzulachen und ihr noch ein "Hey, ich bin noch für ein, zwei Tage hier, bevor ich gehe!" nachzurufen.

Doch dann wurden sie alle abgelenkt, als es klingelte und sie alle Perry zur Türe schoben, damit er ihr Essen bezahlen und reinholen konnte. Nun würden sie feiern ... auch wenn sie alle auch ein wenig traurig waren, ihren Freund verabschieden zu müssen.

~~~***~~~***~~~

Zwei Wochen später stand Perry leise seufzend vor einem Hochhaus in Seattle und überlegte noch einmal, ob er das wirklich tun wollte – doch dann gab er sich einen Ruck und trat ein, verkniff sich, an der Krawatte zu ziehen und ging zur Rezeption, um sich dort anzumelden.

Er hatte einen Termin bei einem der bekanntesten Anlageberater, die es hier in der Stadt gab – denn selbst er wußte, daß er so viel Geld gut anlegen mußte und er wollte auch eine Firma kaufen, sowie sich mit der neuen Gesellschaftsschicht bekanntmachen, zu der er nun gehörte.

Ein wenig mulmig war ihm schon, als er nun mit dem Aufzug in den vierundsechzigsten Stock hochfuhr – auch wenn er schon mitgeholfen hatte, solche Wolkenkratzer zu bauen, diese engen Aufzüge verursachten ihm noch immer ein flaues Gefühl im Magen. Doch schließlich kam er an und ging zu der Sekretärin, um sich noch einmal anzumelden und trat ein, um den Mann zu begrüßen, der nun mithelfen würde, sein Leben zu verändern.

"Reginald Meyer, sehr erfreut."

Der Anlageberater kam sogleich auf Perry zu und reichte ihm die Hand. Natürlich hatte er sich über ihn informiert und wusste, daß Perry mit den 150 Millionen, die er im Lotto gewonnen hatte, alleine überfordert war.

"Setzen sie sich." bot der Braunhaarige an und schob seine Brille etwas zurrecht, bevor auch er sich setzte.

Perry antwortete ein eher zögerndes "Sehr erfreut, mein Name ist Perry Walker.", während er dem Anderen die Hand gab. Der Händedruck des eher hageren Mannes war überraschend fest – und das war etwas, das der sichtlich größere und breitere Bauarbeiter mochte.

"Ich danke ihnen ... sie wissen ja sicher, daß ich eine ziemliche Summe im Lotto gewonnen habe und ich möchte mir damit etwas aufbauen. Gut anlegen und so ... und vielleicht auch eine Familie in diesen Kreisen gründen, damit es meine Kinder einmal besser haben als ich. Können sie mir dabei helfen?"

Der Mann war Reginald auf Anhieb sympathisch, wahrscheinlich, weil er so einfach gestrickt war. "Lockern sie erstmal die Krawatte, und dann besprechen wir alles. Sie sagen mir, was sie sich vorstellen, und ich mache ihnen Vorschläge und wir überdenken dann alles."

Er ging es ruhiger und entspannter an. Der Mann, der vor ihm saß, hatte keine Erfahrung mit so viel Geld und Reginald sagte noch rasch die zwei Termine ab, die nach Perry geplant gewesen waren. Sichtlich erleichtert, lockerte der große Schwarzhaarige die Krawatte und nach einem kurzen Zögern zog er das Sakko aus und legte es über die Lehne des Sessels. Sicherlich hatte er sich schon Gedanken gemacht, was er gerne mit dem Geld tun würde – und ein kleiner Teil davon war auch schon gut angelegt.

Für einen kurzen Augenblick huschte ein sanftes Lächeln über die Züge Perrys, als er daran dachte, daß er jedem seiner Freunde fünfundzwanzigtausend Dollar durch eine Bank hatte zukommen lassen – und für Annie noch einmal zehntausend Dollar für ihr Studium. Er hätte ihnen gerne mehr gegeben, doch das wäre zu auffällig gewesen – so war es einfach ein anonymer Gönner, wie sie es genau handhaben würden, hatte Perry der Bank überlassen.

"Nun ... ich möchte das Geld gerne anlegen, und zwar einen Teil einfach so sicher, daß es gut Zinsen trägt und als Reserve herhält. Aber ich möchte auch gerne etwas tun – ich kann nicht einfach nur stillsitzen, von den Zinsen leben und nur Party feiern, ich habe mein Leben lang gearbeitet und habe nicht vor, jetzt damit aufzuhören. Aber ich weiß, daß ich nicht einfach als Bauarbeiter arbeiten kann und ich wollte sie fragen, ob sie nicht eine Idee hätten ... ich habe nie etwas anderes gelernt."

Der Mann wusste, was er wollte, und das gefiel dem Anlageberater. "Als Bauarbeiter? Also kennen sie sich mit der Materie aus. Hmm ... ich denke, ich hätte da etwas. Es ist eine kleine Firma, die in Konkurs gegangen ist und demnächst aufgelöst werden soll. Es ist riskant, aber einen Versuch wert. Was meinen sie? Wollen sie es riskieren? Die Firma ist von einer Größeren erdrückt worden, aber die Arbeiter sind erstklassig ausgebildet."

Das war perfekt – und das sah man Perry auch an, er begann, breit zu grinsen und langsam zu nicken.

"Das wäre perfekt, Mr. Meyer! Ich habe das schon oft gesehen und mich immer geärgert ... und wenn ich den Leuten helfen kann, dann möchte ich das machen, Mr. Meyer. Und ja – ich kenne mich ein wenig aus, zwar nicht mit Buchführung oder sowas, aber mit dem Bau und auch den Menschen dort. Ich möchte den Leuten helfen und dafür sorgen, daß die Arbeiter nicht entlassen werden ... auch wenn es mich Geld kostet. Wieviel würde es denn kosten?"

Mit der Frage hatte Regi natürlich gerechnet, holte die Unterlagen von der Firma aus dem Schreibtisch und schob sie Perry zu. "Das sind Schätzungen der Bank, was die Firma im Verkauf erzielen muss, damit die Insolvenz aufgehoben wird."

Perry nahm die Unterlagen entgegen und las sie sich durch. Wie er es erwartet hatte, waren das Meiste Forderungen von Zulieferfirmen und von der Bank, die das Startkapital der Firma gegeben hatte. Doch es war nicht viel – gerade einmal etwas mehr als zwei Millionen und so fällte Perry eine Entscheidung, nickte ernst und schob die Unterlagen wieder zu dem Anlageberater.

"Ich möchte die Firma für sechs Millionen kaufen – damit die Bank auch nicht mehr den geringsten Anspruch auf irgendetwas hat und auch alle Forderungen gedeckt sind. Und ich kann mir denken, daß die Arbeiter die letzten Jahre keine Lohnerhöhung bekommen haben ... ich möchte, daß jeder von ihnen einen Bonus erhält.

Viele von ihnen werden Schulden haben und das Geld gut brauchen können – das ist mir sehr wichtig. In den Unterlagen steht drin, daß die Firma 137 Arbeiter und Angestellte hatte ... ich möchte, daß der Bonus fünfzehntausend Dollar beträgt. Das dürften ein wenig mehr als zwei Millionen sein, also bleiben etwa eineinhalb Millionen übrig, um als Reserve zu dienen. Oder?"

Reginald rechnete es kurz im Kopf aus und nickte sacht. "Ja, es sind 2.055.00 Millionen als Bonus. Ich werde alles in die Wege leiten und einen Termin mit dem Notar machen. Den Rest ihres Geldes werde ich dann gewinnbringend an der Börse anlegen und einen Teil davon auch so anlegen, daß monatliche Gewinne direkt auf ihr Konto gehen."

An der Börse war das Geld gut angelegt und brachte gute Gewinne. "Ich denke, sie werden bis ihr Lebensende abgesichert sein."

"Ich danke ihnen ... das ist genau, was ich wollte. Sie werden entsprechende Vollmachten brauchen, oder? Am Besten, wir erledigen das alles gleich. Und äh ... könnten sie mir vielleicht auch in der anderen Angelegenheit helfen? Ich kenne mich nicht aus und möchte mir ein schönes Haus mit Grund kaufen und vielleicht auch eine Familie gründen – und brauche Jemand, der mir dabei hilft, ich bin nicht nur hier in der Stadt, sondern auch in dieser Gesellschaftsschicht neu."

Es war Perry ein wenig peinlich, danach zu fragen ... doch er wußte nicht, wen er sonst fragen sollte. So eine Frage hatte auch Reginald noch nie gestellt bekommen, aber es war eine erfrischende Abwechslung und eine Herausforderung, die er gerne einging.

"Für ein Haus werde ich ihnen einen Makler besorgen und wegen der Einführung in die Gesellschaft ... wie wäre es, wenn ich sie in nächster Zeit mit in den Countryclub nehme? Dort treibt sich die feine Gesellschaft immer herum, wenn sie, wie so oft, nichts zu tun hat. Meine Frau freut sich bestimmt, sie herumzuzeigen. Emma verkuppelt ziemlich gern."

Im ersten Moment jagte ihm eine Frau, die ihn den besten Partien der Gesellschaft vorführen wollte, einen Heidenschreck ein – doch dann nickte er und seufzte leise, lächelte ein wenig schief und zuckte mit den Schultern.

"Okay, das scheint wirklich das Beste zu sein. Aber zuerst die Firma, das Geld anlegen und das Haus, damit ich auch was anderes als einen Lottogewinn vorzeigen kann. Ich möchte ja einen guten Eindruck machen, auch wenn ich bestimmt trotzdem auffalle und mich in die Nesseln setze, da ich keine Ahnung von den Gepflogenheiten und dem Benehmen in der höheren Gesellschaft habe. Aber ich denke, das werde ich schneller mitbekommen, als mir lieb sein kann, oder?"

"Oh ja, das denke ich auch ... und wie wäre es, wenn wir uns ab jetzt duzen? Ich denke, es ist angenehmer." Perry war einfach gestrickt, da war duzen wirklich angenehmer als die Förmlichkeit. "Wir regeln jetzt am Besten noch ein paar Kleinigkeiten und ich besorge einen guten Makler, der ein schönes Haus auftreibt."

Man sah Perry die Erleichterung wirklich an und er lächelte, als er nickte und antwortete.

"Gerne. Ich danke dir, du bist nicht umsonst einer der Besten in deinem Fach. Ich danke dir für alles und ich hoffe, daß wir vielleicht Freunde werden können? Bisher bist du der Erste, der mich nicht wie einen Idioten behandelt oder mich überhaupt beachtet ... glaub mir, alleine schon diesen Anzug zu bekommen, war eine Tortur."

"An den Anzug gewöhnst du dich - und bleib einfach, wie du bist. Dann tuschelt man zwar, aber du hast dann halt deine Eigenarten, die dich doch wieder für die Snobs interessant machen."

Reginald ging auch wirklich ins Du über und fühlte sich dabei sichtlich wohler. Es war selten genug, daß man gleich so freundschaftlich werden konnte.

Das ließ Perry wieder aufatmen und er nickte, ehe er leise aufstöhnte, als sein Gegenüber einen ziemlich dicken Stapel Papiere aufnahm und ihm vorlegte.

"Oh, Gott – ich wußte, daß es viel Papierkram wird. Kannst du mir das erklären? Für Idioten wie mich? Ich kenne mich nämlich in sowas überhaupt nicht aus."

Der junge Schwarzhaarige hoffte, daß ihn sein erster Eindruck nicht trügte und er Reginald trauen konnte – denn bisher war dieser nicht nur freundlich, sondern auch sehr sympatisch und er hoffte, daß er eine gute Wahl getroffen hatte.

"Aber sicher." erwiderte Regi und erklärte langsam und möglichst einfach, was er tun würde und was es bezweckte. So vergingen trotzdem gut zwei Stunden und sie tranken einige Tassen Kaffee, bis sie fertig waren.

Reginald hatte Perry noch einen guten Anwalt empfohlen, der für alle Fälle bereitstand, sollte etwas passieren ... denn in der gehobenen Klasse musste man einen da haben, wenn man ihn dringend brauchte. "Ich denke, so bist du rundherum abgesichert."

Perry war von all den Klauseln und dem Kleingedruckten, das er sich mit seinem Gegenüber durchgesehen hatte, sichtlich erschöpft ... doch selbst er sah, daß er jetzt alles im Moment Wichtige erledigt hatte und lächelte kurz, ehe er nickte und mit Reginald zusammen aufstand.

"Jep, ich denke auch. Hast du vielleicht eine Folie oder eine Mappe für all den Kram? Ich denke, ich brauche jetzt mehr als einen einzigen Ordner für all die Unterlagen."

Reginald lachte leise und holte eine dicke Pappmappe hervor, um gleich darauf alles darin zu verstauen. "Gut drauf aufpassen ... ach ja, hier ist meine Karte." Er reichte Perry noch eine Visitenkarte, wo er seine private Telefonnummer draufschrieb. "Ich sage dir dann Bescheid, wenn der Kauf der Firma abgewickelt ist und der Notartermin ansteht."

"Danke – ich bin in der Zwischenzeit in einem Hotel, aber ich habe mein Handy immer dabei. Warte, ich schreibe sie dir auf einen Zettel."

Dankbar nahm der junge Schwarzhaarige einen leeren Notizzettel von Reginald an und schrieb seine Handynummer drauf, denn bevor er kein eigenes Haus hatte, war er nur so erreichbar. "Ich danke dir nochmal für alles – und ich freue mich darauf, die Firma zu kaufen und den Leuten wieder eine Zukunft geben zu können."

Dann schüttelte er ihm noch einmal die Hand und lachte leise, verabschiedete sich und ging mit ihm zur Türe des großen Büros.

Reginald sah ihm noch nach und notierte sich die Telefonnummer in seine Unterlagen und auch in sein Handy. Aus Perry wurde sicher etwas und er würde die verstaubten Snobs sicher ein wenig durcheinanderbringen. "Das wird sicher mal eine Abwechslung mit dem netten Kerl."

Das Gleiche dachte sich auch Perry, als er wieder in den Aufzug stieg und nach unten fuhr. Er hatte schon Angst gehabt, daß der Anlageberater so hochnäsig wäre wie die Banker, denen er aufgetragen hatte, seinen Freunden das Geld zu übergeben ... zum Glück erhielten sie es, das wußte Perry seit zwei Tagen, als er Rudi anrief und sich nach ihm und den Anderen erkundigte. Doch dann zog er die Krawatte wieder fest, nickte nur höflich und ein klein wenig scheu den Wachmännern zu, trat wieder aus dem Hochhaus und atmete auf, als er wieder auf der Straße war.

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